In VR schleichen, klauen und nebenbei einen hochkarätigen Kriminalfall lösen: Rogan: The Thief in the Castle schickt euch auf Rift und Vive als Meisterdieb in ein mittelalterliches Schloss. Wir haben den Überraschungshit auf Oculus Rift getestet.

Von der koreanischen Spieleschmiede Smilegate kommt dieser Tage neben Focus on You noch ein weiterer VR-Titel für den PC. Bei Rogan: The Thief in the Castle schlüpft ihr in die Robe eines Meisterdiebs, der sich auf Beutezug in eine königliche Festung einschleicht. Eine ganz blöde Idee, wie Rogan recht schnell merkt. Er stolpert nämlich mitten hinein in eine riesengroße Verschwörung.

Klauen – und Victoria den Hals retten

In der Burg macht Rogan Bekanntschaft mit der ebenso hübschen wie wehrhaften Victoria, der man augenscheinlich einen Mord anhängen will. Ergo: Planänderung! Rogan lässt sich breitschlagen, gegen Extra-Bezahlung Victorias Unschuld zu beweisen. Und nachdem ihn diese Aufgabe durchs komplette Schloss führen wird, kann er zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und königliche Wertgegenstände ohne Ende mitgehen lassen…

Rogan: The Thief in the Castle - Victoria
Wer würde dieser Dame denn nicht den hübschen Hals retten wollen?

Rogan: The Thief in the Castle ist klassische Schleich-Action in VR

Das Spielprinzip ist schnell erklärt: klassische Schleich-Action – in VR. Euer oberstes Ziel ist ungesehen zu bleiben. Nachdem im ganzen Schloss Wachen patrouillieren, schleicht ihr von Wandnische zu Wandnische. Steht ein Wachposten vor einer Tür und macht keine Anstalten, sich dort wegzubewegen, greift ihr zum ältesten Trick im Meisterdieb-Repertoire: Ihr werft einen Gegenstand. Der Lärm lässt den Posten nach dem Rechten sehen und ihr flutscht hinterrücks durch.

Alternativ könnt ihr einen der zahlreichen strategisch gut platzierten Holzknüppel greifen und dem Soldaten von hinten über den Schädel ziehen. Passt aber auf, beim Anschleichen keinen Lärm zu machen…

In jedem Spielabschnitt sollt Ihr diverse Geldsäckchen und Wertgegenstände einsammeln, sowie drei besonders gut versteckte Bonus-Gegenstände finden. Nach Erreichen des Levelausgangs errechnet sich daraus euer Score. Insgesamt zwölf Levels stecken im Spiel, mit anfangs noch sehr häufig und fair gesetzten automatischen Speicherpunkten. Nur gegen Ende gibt es zwei Stellen, wo die Speicherpunkte weiter auseinander liegen.

Rogan: The Thief in the Castle - Schlüssel stehlen
Während die Wache pennt, schnappt ihr euch den Schlüssel.

Rogan: The Thief in the Castle ist technisch top

Technisch ist das Spiel ein Brett. Die Grafik ist flüssig, die Texturen sind detailliert, die Animationen erste Sahne. Alle Dialoge sind (englischsprachig) vertont. Ohne Übertreibung: Die Technik ist AAA-Niveau. Und dieses Gesamtpaket sorgt einfach für geniale Stimmung und intensive Momente. Wenn ihr hinter einer Ecke kauert, während die lauterwerdenden Schritte und der Schein seiner Petroleumlampe einen Wächter ankündigen, dann rutscht einem einfach das Herz in die Hose. „Bitte komm jetzt nicht um die Ecke!“ Einfach grandios. Über eure Kapuze, die das Spiel standardmäßig einblendet und euer Gesichtsfeld unnötig einschränkt, kann man dagegen geteilter Meinung sein. Dankenswerterweise lässt sich die aber in den Optionen abschalten.

Die Gegner verhalten sich ausreichend intelligent, wobei hier wie bei allen Schleichspielen gilt: Man hat halt irgendwann raus, wie die KI tickt, was man sich leisten kann und was nicht. So hören euch eure Gegner, wenn ihr euch in eurem Versteck bewegt oder hinter ihnen zu schnell und damit zu laut vorbeiläuft. Gleichzeitig habt ihr aber nichts zu befürchten, wenn ihr in der direkten Sichtlinie einer Wache vorbeihuscht, solange ihr nur weit genug weg seid, zum Beispiel am anderen Ende eines längeren Ganges. Stolpert eine Wache über einen am Boden liegenden Kollegen, untersucht sie ihn zwar interessiert, kommt aber nicht auf die Idee, Alarm zu schlagen. Damit ignoriert das Spiel ein Feature, das schon länger Genre-Standard ist – nämlich die Möglichkeit, ausgeschaltete Gegner außer Sichtweite zu zerren. Aber sei’s drum.

Rogan: The Thief in the Castle - Wachen ausschalten
Dieser Wache ziehen wir gleich eins über.

Und nebenbei einen Mord aufklären

Schleichen macht gute 95 Prozent des Spiels aus, daneben gibt es aber auch einige Rätsel zu lösen. So müsst ihr am Tatort nach Hinweisen fahnden oder ein Zimmer nach versteckten Geheimtüren und ähnlichem durchsuchen. Keine Aufgabe, die Rätsel-Profis vor gröbere Probleme stellen dürfte, aber eine nette Abwechslung zum typischen Spielverlauf.

Auch während der Schleichpassagen gibt es die ein oder andere markante Stelle. Etwa wenn ihr eine Glocke läutet, um Alarm auszulösen und die Wachen wegzulocken. Oder wenn ihr zum selben Zweck ein Feuer legt. Auf diese kreativen Ideen müsst ihr allerdings nicht selber kommen, die kaut euch das Spiel brav vor. Clever gelöst: Haltet ihr eine Hand vor euer Gesicht, wechselt das Spiel in eine Schwarz-Weiß-Annsicht und highlightet euer nächstes Ziel. Dass man mal nicht mehr weiß, wo es als nächstes lang geht, ist somit ausgeschlossen.

Um euer nächstes Ziel zu sehen, haltet einfach die Hände vors Gesicht.

Die Länge passt mit sechs Stunden gut

Wir hatten Rogan: The Thief in the Castle in sechs Stunden durch – auf dem mittleren von drei Schwierigkeitsgraden. Das ist gefühlt die ideale Länge. Sehr viel mehr hätte sich die Spielmechanik wahrscheinlich nicht in die Länge ziehen lassen. Aber diese sechs Stunden haben uns wirklich gut unterhalten und technisch ist das Game wie gesagt ein Brett. Schade ist maximal, dass man einmal gelöste Abschnitte nicht nochmal separat anwählen kann, um alle Gegenstände zu holen. Das hätte die Langzeitmotivation nochmal deutlich erhöht.

Ihr findet Rogan: The Thief in the Castle auf Steam und im Oculus Store

ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Das Fazit
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Manfred
Nach 16 Jahren E-MEDIA bloggt Manfred Huber jetzt über die Technik-Themen, die ihm am meisten Spaß machen - und das ist momentan alles rund um Virtual Reality.