Das Spiel Genotype feierte seine Premiere auf der Meta Quest 2 und erfreute sich auf dem System guten Erfolges. Seit Februar ist eine Umsetzung auf Steam erhältlich und nun auch auf der PlayStation VR2. Diese Fassung haben wir für Euch im Test.

In der Rolle von Arktisforscherin Evely stoßen wir auf den Spuren von John Carpenters „The Thing“ auf einen verlassenen Basiskomplex, in dem offenbar schreckliche Dinge vorgefallen sind. Per Funk werden wir vom einzigen Überlebenden, einem Mann mit dem Namen William, begrüßt und bekommen schlechte Nachrichten aufgetischt: Die merkwürdigen Experimente mit obskuren Lebewesen, die in der Basis stattgefunden haben, drohen die gesamte Welt in den Untergang zu stürzen – und wir selbst haben die Organismen auch schon im Blut! Wenn wir nicht bald ein Gegenmittel aus neun verschiedenen DNA-Strängen der Kreaturen gewinnen können, ist es aus und vorbei.

Die Waffen leben!

So durchleben wir einmal mehr ein typisches VR-Metroidvania, bei dem eine Stimme im Ohr uns die meisten unserer Schritte Stück für Stück vorgibt. Erfrischenderweise gibt es hier aber keine Rogue-Elemente, stattdessen bedient sich das Game bei einigen Versatzstücken des klassischen Survival-Horrors. Die Munition für die organischen Kreaturen, die wir als Waffen an unserem Handgelenk wachsen lassen können, ist rar gesät. Und wir müssen vielfach die automatische Karte konsultieren, um einen Überblick über die Bereiche zu behalten, die wir mangels passender Schlüsselkarten, Zugangscodes oder fehlender Fähigkeiten noch nicht betreten können. Auch manuelles Speichern ist Pflicht, auch wenn wir dafür keine Ressourcen wie Farbbänder aufwenden müssen. Stattdessen heißen die Währungen hier Biomasse, Token und DNA-Stränge. Mit den erstgenannten craften wir Munition und Heil-Items, mit den beiden anderen können wir Evely und ihre biologischen Waffen aufleveln.

Eure Waffen sind organische Kreaturen an euren Handgelenken

Diese Kreaturen bilden natürlich die klassischen Schießprügel nach – eine Art Revolver, eine Maschinenpistole, später sogar einen Flammenwerfer und viele weitere. Dabei kann man durch Investition von DNA-Strängen an entsprechenden „organischen Druckern“ nicht nur die Schadenswerte aufmöbeln, sondern einige Waffen auch in komplett andere Gattungen ummodeln oder die Sekundärfunktion austauschen. Neben Klassikern wie Lähmgranaten sind dadurch zum Beispiel auch „Macht-Stöße“ oder Saug-Attacken möglich. Evely selbst kann durch die Ausgabe von Token in insgesamt drei Stufen widerstandsfähiger gemacht werden, wobei jeder Aufstieg eine von zwei verschiedenen Spezialfähigkeiten, wie zum Beispiel temporäre Unverwundbarkeit, zur Wahl stellt. Diese Fähigkeiten kann man auch später jederzeit an den Organstationen wechseln, so dass sich der Spielstil anpassen lässt und wir einige Experimente unternehmen können. Vorausgesetzt natürlich, wir sammeln genug Ressourcen ein – Das Looten spielt hier genretypisch eine große Rolle.

Auch auf „leicht“ eine Herausforderung

So durchforsten wir also die weitläufigen Außen- und Innenbereiche der Basis mit aufmerksamem Blick und müssen uns hin und wieder sogar Codeziffern merken oder aufschreiben, was zwar auch ein schön oldschooliges Spielelement ist, mit einer VR-Brille auf dem Kopf jedoch etwas schwer umzusetzen ist. Apropos schwer, der Schwierigkeitsgrad ist natürlich wählbar, jedoch haben die Entwickler von Bolverk Games die etwas fragwürdige Entscheidung getroffen, einen der ausladensten Spielbereiche gleich recht früh zu bringen, und diesen dann auch noch mit respawnenden Gegnern auszustatten. Dies kann am Anfang selbst auf „leicht“ zu einigem Frust führen, wohingegen die zweite Hälfte des Spiels aufgrund der hinzugewonnen Fähigkeiten kaum noch Herausforderungen bietet. Die Kämpfe mit den Gegnern, die überwiegend aussehen wie Alien-Schnecken, Motten oder Krabben, und meist einfach nur in gerader Linie auf uns zu rennen, ändern sich dabei kaum. Die Viecher sehen zudem leider auch eher niedlich als ekelerregend aus, gerade wenn man sie mit dem John Carpenter Sci-Fi-Horror vergleicht, der definitiv beim Szenario und einigen Musikstücken Pate gestanden hat.

All das klingt zunächst einmal recht negativ, doch das Spiel hat auch viele Stärken. Die Grafik haut nicht völlig um und erreicht nicht das Niveau des stilistisch verwandten Red Matter 2, ist aber doch schön sauber und glänzt mit lebensnah gestalteten Oberflächen und Materialien. Trotz vieler ähnlicher Elemente in den vielfältigen Gängen und Räumen der Basis, kommt immer genug Neues dazu, um Abwechslung und Individualität zu vermitteln. Das Erforschen macht Spaß und je nachdem, wie sehr einen das in der Basis vor unserer Ankunft Geschehene interessiert, kann man einige Zeit mit dem Lesen von Nachrichten und dem Abhören von Tonbändern verbringen. Auch was das Gameplay angeht, erwarten uns immer mal wieder neue Mechaniken, mit denen wir nach dem etwas formelhaft wirkenden Anfang des Spiels gar nicht gerechnet hatten.

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Frische, VR-taugliche Mechaniken

Auch die VR-Mechaniken im Spiel wirken sehr durchdacht und bieten einige frische Ansätze, wenn diese auch im Eifer des Gefechts zum Teil nicht ganz so einfach zu bedienen sind. Dennoch sind viele Handlungen, wie zum Beispiel das Öffnen von Spind-Türen über Schiebemechanismen, immer schön wuchtig inszeniert, so dass das Entdecken und Looten wirklich Spaß macht. Auch einige kleine Gags und Anspielungen auf andere Games und Filmklassiker haben sich die Entwickler einfallen lassen.

Hier findet ihr Genotype auf Steam, hier im Meta Quest Store und hier im PlayStation Store

Überblick der Rezensionen
Das Fazit
Kalle
Schon als Kind liebte Filmemacher und Autor Kalle Max Hofmann Spielezeitschriften, später wirkte er dann selbst an Publikationen wie [ple:] und GameReactor mit. Heute schreibt er immer noch gerne über Games – vor allem, wenn es um Virtual Reality geht.
vr-survival-abenteuer-genotype-im-testAls großer Fan des zuvor genannten Sci-Fi-Horrklassikers von Meister Carpenter ließ mich der Genotype-Trailer mit den gezeigten Außenaufnahmen im Schneesturm sofort aufhorchen. Wie im Filmvorbild findet jedoch der Hauptteil des Spiels in Innenbereichen statt und die tiefgefrorene Umwelt dient eigentlich nur als Übergang von einem Festungsbau in den nächsten. Auch wenn ich am Anfang ganz schön über die Schwierigkeit geflucht habe, hat mich das Spiel dennoch konstant bei der Stange gehalten und ich wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht. Was man dann am Ende von der Story hält, ist sicher Geschmackssache, inszenatorisch versprüht das Game jedoch eine dichte Atmosphäre und überzeugt mit griffigen VR-Mechaniken. Einzig die Tatsache, dass Evely und William öfter deutlich zu flirten scheinen, passt meiner Meinung nach nicht so ganz zum unmittelbar bevorstehenden Ableben der gesamten Menschheit – aber den Philosophen nach gehören Eros und Thanatos ja auch irgendwie zusammen.