Sieht auf Screenshots aus wie Echtzeitstrategie, ist aber ein Taktik-Shooter made for VR. Landfall für Oculus Rift ist erfrischend anders. Ein echtes VR-Highlight zum Low-Budget-Preis. Womit Landfall überzeugt – der Test.

Die meisten VR-Games zeigen die Action aus der Ego-Perspektive. Irgendwie naheliegend, aber nicht zwingend. Das beweist Landfall. Der neue Taktik-Shooter für Oculus Rift stellt das Schlachtfeld aus der Top-Down-Ansicht dar und bringt schon damit Abwechslung in den VR-Gamer-Alltag.

Wer nur Screenshots kennt, könnte Landfall für Echtzeitstrategie halten. Weit gefehlt. Per Gamepad übernehmt Ihr das Kommando über einen einzelnen Soldaten auf dem Schlachtfeld. Auch wenn sich rundherum noch Dutzende andere Soldaten tummeln, direkt gesteuert wird immer nur Euer Held.

Landfall: Action trifft Taktik

Was aber nicht heißt, dass Landfall seichte Action wäre. Im Gegenteil. Taktisches Vorgehen ist notwendig, um die pro Map vorgegebenen Ziele zu erreichen. Mal müssen feindliche Stützpunkte eingenommen, mal Transporter zum Ziel begleitet oder auch mal Dokumente der Gegenseite entwendet werden. Die billige Methode „auf und durch“ funktioniert dabei ganz genau nie.

Als Anführer gebt Ihr die Richtung vor, Eure Männer folgen Euch automatisch. Direkte Befehle sind nicht möglich. Aber – und das ist eine der großen Leistungen des Spiels – diese Option geht einem gar nicht ab. Eure Männer agieren selbständig und sinnvoll. Stürmt Ihr einen feindlichen Stützpunkt, unterstützen Euch Eure Digi-Kameraden dabei. Und ist die Basis einmal gesichert und Ihr seid längst zum nächsten Ziel weitergezogen, bleiben genügend Leute zurück, um feindliche Gegenangriffe abzuwehren.

Gefallene Soldaten werden dabei automatisch ersetzt – das gilt auch für die Gegenseite. Es kommen so lange neue Soldaten aufs Spielfeld, bis der (meistens) begrenzte Nachschub zur Neige geht. Insofern ist es nicht egal, wie lange man sich mit dem militärischen Erfolg Zeit lässt. Zwar gibt es kein Zeitlimit, aber wenn Verluste mangels Nachschub nicht mehr ersetzt werden, folgt die Niederlage meist auf dem Fuße.

Die komplette Action findet aus der Top-Down-Sicht statt.

Nachdem Landfall in der Zukunft angesiedelt ist, sind die Waffen entsprechend futuristisch. So gibt es neben klassischen Projektilwaffen auch Lasergewehre – und Mechs! Überlebt Euer Held lange genug am Spielfeld, kann er einen solchen übermannsgroßen Kampfroboter als Unterstützung anfordern. Der Mech wird dann von einer Drohne neben dem Helden abgeworfen, der nur noch einsteigen muss. Im Laufe der Kampagne werden immer neue Waffengattungen und dazugehörige Mechs freigeschaltet.

Apropos Kampagne: Eine Story gibt es natürlich auch. Landfall spielt in einer nicht allzu rosigen Zukunft. Der Anstieg der Meeresspiegel hat die Menschheit zu einem kompletten Neustart gezwungen. Eine Handvoll Inselstaaten existiert in friedlicher Kooperation – bis ein fieser General nach der Macht greift und es zum militärischen Showdown kommt. Während das Grundsetting nett ist, machen die Autoren daraus nicht viel, die Story bleibt irgendwie beliebig. Das tut dem Spielspaß aber keinerlei Abbruch.

Landfall ist technisch hochwertig

Der Production Value ist hoch. Durchgehendes Voice Acting, liebevoll bis ins Detail gestaltete Landschaften und Einheiten – Landfall kann sich sehen lassen. Im Vergleich zu großen AAA-Produktionen fehlen maximal ein paar aufwendige Zwischensequenzen.

Die Maps sind so überschaubar gehalten, dass man aus seiner stationären Beobachterperspektive immer den Überblick behält. Ein „Scrollen“ der Kamera ist weder vorgesehen noch notwendig. Ihr könnt allerdings jederzeit mit dem Kopf näher ran ans Geschehen, um näher an der Action zu sein. Mit der stationären Perspektive sichert sich Landfall im Store dann auch die Einstufung als „angenehme“ Experience, sogar für sonst sensible Gamer sollte das VR-Übelkeitsrisiko nahe null liegen. Die einzelnen Partien sind angenehm kurz, kaum ein Match dauert länger als 15 Minuten.

Die komplette Kampagne kann optional auch im Koop-Modus gespielt werden. Außerdem gibt es Onlinematches in den Modi „1vs1“ und „2vs2“. Und das ist dann auch schon die einzige Achillesferse des Spiels. Zum Ende der Kampagne hat man definitiv Lust auf mehr und genau dafür sind ja die Onlinemodi da. Nur wird man ohne Freunde, die man zu einer Partie einladen kann, nicht viel vom Onlinemodus sehen. Die Matchmaking-Funktion findet einfach viel zu selten Gegner.

Hier geht’s zum Download im Oculus Store

ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Wertung
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Manfred
Nach 16 Jahren E-MEDIA bloggt Manfred Huber jetzt über die Technik-Themen, die ihm am meisten Spaß machen - und das ist momentan alles rund um Virtual Reality.