Eine verlassene Mondbasis, Monster aus der Hölle und ballern, bis das Magazin leer ist: Dead Moon – Revenge on Phobos ist ein VR-Shooter für Rift und Vive, der sich eng an den Klassiker Doom anlehnt. Wir haben die Rift-Fassung im Test.

Die Macher von Dead Moon – Revenge on Phobos machen gar keinen Hehl daraus: Ihr Game ist ein spiritueller Nachfolger von Doom. Eine Art Neuinterpretation des Klassikers mit moderner Grafik und in VR hatten sie angedacht. Um das Fazit unseres Tests vorwegzunehmen: Das ist geglückt.

Ein VR-Shooter im Sci-Fi-Setting

Dead Moon – Revenge on Phobos versetzt euch in eine verlassene Mondbasis. Ihr seid der einzige Mensch in den spärlich beleuchteten Gängen. Aber ihr seid nicht allein. Eure Gesellschaft: Monster aus der Hölle. Unmengen davon! Gut nur, dass an allen Ecken und Enden Waffen und Munition herumliegen. Die braucht ihr nur aufzusammeln, und schon könnt ihr mit der Monsterbrut aufräumen…

Dabei stolpert ihr gelegentlich über schriftliche Notizen der Besatzung, wie das im Genre fast üblich ist. Kann man lesen, muss man aber nicht. Hier geht’s ums Ballern ohne allzu viel Ablenkung. Aber das passt schon. War bei Doom ja auch nicht anders.

Direkte Steuerung ohne Kotz-Garantie

Bei der Fortbewegung bietet das Game drei Möglichkeiten simultan an: Direkte Steuerung über die Ministicks, Teleportation, oder ihr haltet den A-Button gedrückt und bestimmt durch die Neigung des Controllers eure Geschwindigkeit. Variante drei ist originell, aber nachdem Variante eins die effizienteste ist, dürften die meisten zu ihr greifen.

Jetzt ist natürlich der Gedankengang naheliegend: Schneller Shooter – direkte Steuerung – Kotzgarantie! Aber weit gefehlt. Mir wurde im Test auch bei längeren Sitzungen am Stück kein bisschen übel. Nun mag ich nach bald drei Jahren mit VR schon abgehärtet sein. Gleichzeitig tut das Spiel aber auch alles, um Übelkeitsrisiken zu minimieren. Die Grafik flutscht flüssig über den Bildschirm, die Laufgeschwindigkeit eures Alter Egos bewegt sich in einem angenehmen Bereich und für Drehungen kommt Snap-Turning zum Einsatz. Falls ihr mehr über über das Phänomen VR-Übelkeit erfahren wollt: In diesem Artikel beleuchten wir die Gründe für VR-Übelkeit und wie man damit umgeht.

Was Dead Moon mit Doom gemeinsam hat

Wenn wir Dead Moon – Revenge on Phobos eingangs mit Doom verglichen haben, dann kommt das nicht von ungefähr. Das Gameplay damals wie heute: Durch die Gänge der Raumstation laufen und auf wirklich alles ballern, was sich bewegt. Kanonenfutter gibt es in zahlreichen Ausführungen. Oktopus-Aliens, die erstaunlich flink über den Boden hüpfen, oder mannshohe Monster mit Keulen statt Armen. Und jede Menge nackte humanoide Genmanipulations-Opfer. Letztere sind die einzigen, die Fernwaffen auf euch abfeuern. Der Rest versucht sein Glück im Nahkampf.

Euer Waffenarsenal, um euch die Gegner vom Leib zu halten: Pistole, Shotgun, Raketenwerfer, Maschinenpistole, Lasergewehr. Wobei ihr euer Handwerkzeug erst im Laufe des jeweiligen Levels aufsammeln müsst. Schießt ihr auf herumstehende Fässer – auch das kennen wir aus Doom – explodieren sie, gerne auch in Kettenreaktionen.

Viel Feind, viel Munition und farbige Schlüssel

Netterweise herrscht kein Mangel an Munition. An allen Ecken und Enden liegt sie rum. Um ein Magazin aufzuheben, greift ihr einfach mit dem Touch-Controller danach legt es über eurem Kopf „im Rucksack“ ab. Dasselbe gilt für Waffen, Rüstungen, Health Packs – und farbige Schlüssel.

Wie seinerzeit in Doom gibt es nämlich verschiedenfärbige Tore, für die ihr die farblich passende Keycard benötigt. Das komplette Level-Design baut darauf auf, dass ihr nacheinander die richtigen Schlüssel findet, um zum Ausgang zu gelangen. Dort wartet dann noch ein buchstäblich haushoher Boss auf Euch. Diese Bosskämpfe werden von Doom-typisch fetziger Rockmusik begleitet. Ansonsten gibt’s im Spiel keine Musikuntermalung. Gruselig ist Dead Moon trotz des düsteren Settings übrigens nie. Hier geht’s um überzeichnete Splatter-Action, nicht ums Gruseln.

Ein wenig fehlt Dead Moon – Revenge on Phobos der letzte Feinschliff

Was wir beim Testen feststellen mussen: Das Spiel hat seine Eigenheiten, mit denen man sich erst arrangieren muss. Zum Beispiel gibt es keine Speicherfunktion. Nachdem die Levels auf 30 Minuten Spielzeit ausgelegt sind, ist das nicht dramatisch, aber anno 2019 trotzdem eine eigenwillige Design-Entscheidung. Dass man bei jedem Spielstart denselben (kurzen) Tutorial-Abschnitt entlanglaufen muss, um zur Level-Auswahl zu gelangen, fällt auch in diese Kategorie.

Weitere Auffälligkeiten: Die Schüsse aus den Fernwaffen der Gegner werden als große orangefarbene Kugeln dargestellt – das sieht ein wenig nach Platzhalter-Effekt aus, der es in den finalen Release geschafft hat. Und auf Rift gibt es beim Abfeuern der Waffen keine Rumble-Effekte. Was aber nicht dramatisch stört, nachdem das optische und akustische Feedback beim Feuern schon sehr gelungen ist.

Aber wisst ihr was? Nichts davon hat uns den Spaß verdorben. Ihr ballert mit starken Waffen auf Monster, freut euch, wenn ihr den Schlüssel zur nächsten Tür gefunden habt und fühlt euch wie ein unbesiegbarer Space-Marine. Erst recht, wenn ihr einen der riesigen Boss-Gegner erledigt habt – die kommen in VR einfach sehr gut. Die Grafik ist flüssig und hat einen ganz eigenen „schmutzigen“ Look – gefällt.

Zwei Stunden Spielzeit und Lust auf mehr

Dass Dead Moon – Revenge on Phobos hat vier Levels (das Spiel nennt sie „Episoden“). Macht bei einer Spielzeit von 30 Minuten je Level zwei Stunden Spielzeit ingesamt. Dafür geht der Preis von 13 Euro in Ordnung. Aber gerade weil wir in diesen zwei Stunden echt Spaß hatten, hätten wir gerne noch mehr gesehen. Die Entwickler sagen uns auf Nachfrage, dass sie über ein fünftes Level nachdenken. Würde uns freuen, wenn das klappt.

Hier findet ihr Dead Moon – Revenge on Phobos auf Steam und hier im Oculus Store

ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Das Fazit
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Manfred
Nach 16 Jahren E-MEDIA bloggt Manfred Huber jetzt über die Technik-Themen, die ihm am meisten Spaß machen - und das ist momentan alles rund um Virtual Reality.