Grenzgenial, wenn auch etwas kurz: Das neue VR-Adventure A Fisherman’s Tale entführt euch in einen alten Leuchtturm, in dem kuriose Dinge passieren. Wir haben die Rift-Fassung des außergewöhnlichen VR-Games für PC und PSVR im Test.

Immer öfter entdecken alteingesessene Fernsehstationen das Potenzial des neuen Mediums Virtual Reality. Zuletzt sorge die britische BBC mit der kostenlosen VR-Experience 1943 Berlin Blitz für Furore. Hier ist es der deutsch-französische Kultursender Arte, der hinter dem Projekt steht. Aber keine Bange! Das heißt nicht, dass A Fisherman’s Tale schwere Kultur-Kost wäre. Ganz und gar nicht. Das Game ist ein astreines klassisches Adventure, in VR, mit einer erfrischend originellen Grundidee.

A Fisherman’s Tale: Ein besonderes VR-Adventure

Im Game spielt ihr eine Holzpuppe namens Bob, die in einem Leuchtturm haust. Der Job als Leuchtturmwärter lässt Bob offenbar ausreichend Tagesfreizeit. Jedenfalls hat der Gute an seinem Arbeitsplatz ein detailliertes maßstabsgetreues Modell seines Leuchtturms gebastelt und aufgestellt. Inklusive einer Holzpuppe von sich selbst. Und dieses Leuchtturmmodell spielt die tragende Rolle im grundlegenden Spielprinzip. Weil, und das ist der Clou am Game: Alles, was ihr in der „großen“ Welt tut, passiert auch im Miniaturmodell – und umgekehrt.

Bewegt sich der große Bob durch den Raum, tut der kleine Bob im Modell dasselbe. Manipuliert Bob Gegenstände, tut das sein Mini-Me genauso. Aber es geht noch weiter. Offenbar steckt Bob ebenfalls in einem Modell des Leuchtturms, das in einem noch größeren Leuchtturm steht, wo ein noch größerer Bob seine Aktionen ebenfalls nachahmt. Kurz: Die komplette Spielwelt ist eine Art dreiteilige russische Matrjoschka in Leuchtturmform.

A Fisherman's Tale Screenshot
Das Modell eines Leuchtturms -pielt eine zentrale Rolle im Spiel.

Logische und schaffbare Rätsel

Auf dieser genialen Grundidee bauen so ziemlich alle Rätsel im Spiel auf. Zwei Beispiele: Vielleicht ist ein Gegenstand zu groß und schwer, um ihn in der „realen“ Welt zu bewegen. Dann greift ihr einfach in das Modell, setzt den Gegenstand dort um, und löst damit das Problem gleichzeitigt auch in der großen Welt. Oder ihr habt den für ein Rätsel gesuchten Gegenstand zwar gefunden, benötigt ihn aber in klein? Auch hier erweist sich das Modell als hilfreich…

Nun könnte man natürlich befürchten, dass sich dieses Prinzip schnell abnutzt. Tut es aber nicht. Das Schöne an den Rätseln in A Fisherman’s Tale ist, dass sie doch immer wieder einen neuen Aspekt aus der bekannten Mechanik herauskitzeln.

Die Rätsel sind allesamt logisch und lösbar, zumal das Game eine (standardmäßig aktivierte) Hilfsfunktion an Bord hat. Steckt ihr zu lange fest, gibt der Erzähler aus dem Off hilfreiche Tipps. Wenn ihr das nicht möchtet, könnt ihr diese Hilfe in den Optionen auch ausschalten.

A Fisherman's Tale Screenshot
Im Laufe des Spiels dürft ihr auch mal ans Steuer eines Fischerboots.

Schräge Handlung, schöne Story

Aus den bisherigen Schilderungen ist es wahrscheinlich schon klar geworden: In A Fisherman’s Tale geht’s recht abgedreht zu. Alice im Wunderland hätte ihre helle Freude an den Geschehnissen in Bobs Leuchtturm. Eine sprechende Krabbe? Ein Ausflug in den Bauch eines Riesenfischs? Alles, was das Setting an Klischees hergibt, ist im Spiel drin.

Was das alles soll? Im Laufe der abgedrehten Handlung erfahrt ihr immer mehr über Bob und seine Vorgeschichte. Die stärkste der Rückblenden ist sogar interaktiv und sehr intenstiv…

A Fisherman's Tale Screenshot
Die Handlung von A Fisherman’s Tale ist einigermaßen schräg.

A Fisherman’s Tale ist auch technisch top

Nachdem wir aber nicht spoilern wollen, widmen wir uns an der Stelle besser mal der Technik. Die passt auf ganzer Linie. Die stilvolle bunte Comicgrafik ist detailliert, das komplette Spiel in drei Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch) vertont. An Steuerungsoptionen ist alles drin, was das VR-Gamerherz begehrt. Ihr könnt sowohl im Sitzen als auch im Stehen bzw. in „Roomscale“ spielen. Snap-Turning und Teleportieren ist ebenso drin wie die Möglichkeit, auf Knopfdruck Bobs Hände „auszufahren“ um weiter entfernte Gegenstände bequem heranzuholen.

Mitunter hatten wir im Test das ein oder andere glitchende Item, das zum Beispiel durch Möbelstücke ins Nirvana gefallen ist. Solche gelegentlichen Pannen fängt das Spiel aber dadurch ab, dass die Items recht schnell am ursprünglichen Fundort respawnen. Also unterm Strich kein Thema.

Der einzige echte Wehrmutstropfen an A Fisherman’s Tale ist die Spieldauer. In knapp zwei Stunden waren wir durch. Das liegt vielleicht auch ein wenig daran, dass das Spiel durch die integrierte Hilfe allzu lange Durststrecken verhindert. Aber besser zwei intensive Stunden Knobelspaß auf  höchstem Niveau, als künstlich in die Länge gezogene Langeweile.

Hier geht’s zu A Fisherman’s Tale auf Steam und im PlayStation Store

ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Das Fazit
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Manfred
Nach 16 Jahren E-MEDIA bloggt Manfred Huber jetzt über die Technik-Themen, die ihm am meisten Spaß machen - und das ist momentan alles rund um Virtual Reality.