Nach über einem Jahr im Early Access ist Synth Riders nun als Vollversion auf Steam. Wie macht sich der Neuzugang unter den Rhythmusspielen im Vergleich zum Genre-Primus Beat Saber? Wir haben Synth Riders auf Oculus Rift im Test.

Das Umsatzstärkste VR-Spiel ist ganz sicher Beat Saber, und so haben sich im Musikspiel-Bereich schon einige Nachahmer angefunden. Seit über einem Jahr ist nun schon Synth Riders dabei, das ein sehr ähnliches Konzept verfolgt. Statt der Laserschwerter haben wir hier Disco-Kugeln als Hände – eine ist türkis, die andere pinkfarben. Nun kommen aus der Tiefe des Raumes ebenso gefärbte Kugeln auf uns zu, die mit der passenden Hand berührt werden wollen. Je nach Genauigkeit des Treffers gibt es unterschiedlich viele Punkte und genretypische Elemente wie ein Multiplikator und das „Game Over“ bei zu vielen Fehlern sind natürlich auch an Bord. Auftauchenden Hindernissen müssen wir von Zeit zu Zeit ausweichen, auch das natürlich ist vom großen Vorbild inspiriert.

Das größte Alleinstellungsmerkmal sind aus der Tiefe des Raumes kommende, langgezogene Linien, die wir konstant mit unserer Hand verfolgen müssen. Das fühlt sich wirklich spaßig an und wirkt in der virtuellen Realität irgendwie frisch. Als weitere Variante kommen gelegentlich die „Special Moves“ zum Einsatz, die allerdings nichts weiter sind als eine Abfolge von grünen Noten, die wir dann immer mit derselben Hand treffen müssen (ob links oder rechts, entscheiden wir selbst durch unseren ersten Schlag) oder eine Kette goldener Noten, die mit beiden Händen berührt werden wollen. Schaffen wir eine solche Sequenz ohne Fehler, gibt es einen dicken Punkte-Bonus.

Synth Riders setzt auf von den 80ern inspiriertes Design

31 Synthesizer-Tracks aus den 80ern

Ein entscheidender Faktor bei Rhythmusspielen ist natürlich die Auswahl der Musikstücke. Synth Riders gibt schon durch seinen Namen und das 80er-Jahre-inspirierte Design die Marschrichtung vor: In der Vollversion finden wir 31 Synthesizer-Tracks, die zu einem großen Teil aus dem populären Retro-Genre Synthwave stammen und dadurch sehr nach Jean-Michele Jarre oder Tangerine Dream mit elektrisierenden Beats klingen. Teilweise wird es aber auch etwas härter, in Richtung Dark Wave oder Industrial, vereinzelt finden sich auch Drum’n’Bass-Beats oder Tracks im wuchtigen Moombahton-Sound. Soweit liefert Synth Riders ein gutes Angebot, zudem können die Titel in bis zu fünf Schwierigkeitsstufen gespielt werden. Ganz grundlegend haben wir außerdem die Wahl, ob wir im „normalen“ Modus spielen, wo es reicht, wenn die herannahenden Kugeln in unsere Hände „hineinfliegen“ – oder ob wir sie lieber boxen wollen, was anstrengender ist. „Wenn schon Workout, dann aber auch richtig“, dachten sich die Macher von Kluge Interactive anscheinend, und bieten gleich noch einen Fitness-Modus an, für den man sich registrieren kann, um die eigenen Fortschritte zu verfolgen.

Das sind alles schon sehr gute Grundlagen. Allerdings: Die Platzierung der Kugeln wirkt oft irgendwie beliebig, erfordert kaum „große“ Bewegungen und es will irgendwie kaum Flow aufkommen, von den spaßigen „Synth Lines“, wie oben beschrieben, mal abgesehen. Klar, in einem Musikspiel muss man sowieso auf „Hard“ oder „Expert“ zocken, um wirklich das Gefühl zu haben, „eins mit der Musik zu werden“, oder zumindest mit ihr zu interagieren. Doch bei Synth Riders sind die Unterschiede dabei gar nicht sonderlich extrem, zudem passen Bewegungen und sogar das Auftreffen der Kugeln oft nicht hundertprozentig zum Beat.

Synth Riders fehlt immer noch der Feinschliff

Abgesehen davon trüben noch einige echte Macken den Spaß. Obwohl das Game aus dem Early Access heraus ist, wirkt es noch nicht so ganz fertig. Beispielsweise funktionierten bei mir die Achievements nicht – weder wurde mitgezählt, wie viele Songs ich schon gespielt hatte, noch bekam ich trotz Erreichen der geforderten Punktzahlen bei bestimmten Titeln die entsprechende Auszeichnung. Momentan scheint es auch keinen „Freunde-Filter“ bei den Highscore-Listen zu geben, was bei so einem Spiel natürlich ein echter Malus ist. Auch die Steam-Ladescreens, die man nach jedem Song aufgetischt bekommt, stören für meinen Geschmack die Immersion und das Gesamtbild.

Auf der Habenseite steht, dass die abstrakten Szenerien, durch die wir fliegen, in der Vollversion recht gut aussehen und einigermaßen abwechslungsreich sind. Dabei können wir auf Wunsch auch eine komplett statische Variante wählen, um Motion Sickness vorzubeugen. Generell lässt das Spiel sowieso eine Vielzahl von Einstellungsmöglichkeiten zu, die Menüs sind übersichtlich und ansprechend gestaltet.

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YouTuber Hoshi82 ist ein Riesenfan

Nun will bei mir der Funke nicht so richtig überspringen – doch das Game hat auch begeisterte Fans, wie den YouTuber Hoshi82, bei dem wir kurzerhand eine zweite Meinung eingeholt haben. Für ihn ist Synth Riders das beste Musikspiel von allen – aber warum eigentlich? „Der Hauptgrund ist, dass ich mega auf 80er, Synth und Retrowave stehe, was Musik angeht. Und wenn es dann noch ein Spiel gibt, was genau das thematisiert, ist es doch klar, dass es mein Lieblingsmusikspiel ist! Aber generell die Ästhetik, der Artstyle, die Aufmachung … alles super, komplett den 80er-Nerv getroffen! Man kann außerdem viel einstellen, was das Punkte verdienen angeht … und dann ist das Game auch noch mehr oder weniger komplett modbar, mit eigenen Maps, Liedern, Kugeln!“

Da hat Hoshi82 natürlich einen wichtigen Punkt angesprochen – Seiten wie SynthRiderz.com bieten ein regelrechtes Potpurri aus eigenen Titeln, wobei natürlich gesagt werden muss, dass man sich damit in einer rechtlichen Grauzone bewegt.

Hier geht’s zu Synth Riders auf Steam

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Das Fazit
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Kalle
Schon als Kind liebte Filmemacher und Autor Kalle Max Hofmann Spielezeitschriften, später wirkte er dann selbst an Publikationen wie [ple:] und GameReactor mit. Heute schreibt er immer noch gerne über Games – vor allem, wenn es um Virtual Reality geht.