Eine virtuelle Stadt, um mit anderen Spielern gemeinsam rumzuhängen, zu plaudern und sich bei diversen Aktivitäten die Zeit zu vertreiben: Das neue Free-to-Play-Game Game Hypatia erinnert an das legendäre Second Life – nur eben in Virtual Reality.

Die älteren unter euch erinnern sich sicher noch an den Hype um Second Life. Das kostenlose MMO war Anfang der 2000er immens beliebt – am meisten bei den Netz-Journalisten der Mainstream-Medien. Im Grunde war Second Life weniger Spiel als ein soziales Netzwerk in 3D. Dort konnte jeder in die Haut eines Avatars schlüpfen und online ein zweites Leben führen. Ein Konzept, das eigentlich danach schreit, in VR nochmal angegangen zu werden. Hypatia macht genau das.

Hypatia: eine virtuelle Stadt in VR

Euer zweites Onlineleben beginnt in einer U-Bahn-Station. Hier bastelt ihr euren Avatar, einen Roboter, bei dem ihr die verschiedenen Teile (Kopf, Torso, Hände…) individuell wählen könnt. Am Anfang ist die Auswahl an Teilen noch gering, im Laufe des „Spiels“ schaltet ihr aber zusätzliche frei.

Und dann geht’s auch schon hinaus nach Hypatia, das sich als idyllische Kleinstadt mit Backsteingebäuden und gepflasterten Straßen entpuppt, eine einzige große Fußgängerzone mit viel Grün und einem Kanalsystem nach venezianischem Vorbild. Irgendwie versprüht dieser Ort auf Anhieb gute Stimmung – was auch am strahlend blauen Himmel liegen mag. In Hypatia scheint grundsätzlich immer die Sonne.

Hypatia Screenshot Painting
Auf den Staffeleien im Spiel könnt ihr malen – hoffentlich besser als unser Redakteur hier…

Es gibt viel zu entdecken in Hypatia

Was kann man hier alles tun? Zunächst kann/muss man die Gegend erkunden. Haltet als erstes am besten Ausschau dem Roboter „Chief“. Er steht in Richtung der Fußgängerbrücke am Wegrand und führt eine Liste an Gegenden, die ihr entdecken sollt. Wenn ihr alle vorgegebenen Regionen besucht habt, kehrt zu ihm zurück und holt euch eure Belohnung in Form von Ingame-Währung ab.

Schräg gegenüber des U-Bahn-Aufgangs gibt es ein Kaufhaus, wo ihr euer hart verdientes Geld ausgeben könnt. Hier gibt es auf zwei Etagen allerlei Nützliches und Unnützes, zum Beispiel neue Körperteile für euren Roboter, Skins, Utensilien wie eine Sofortbildkamera, diverses Sportzubehör etc.

Museumsbesuch bis Ruderbootregatta

Was hat die Stadt sonst noch zu bieten? Zum Beispiel ein Museum, bei dem ihr euch in die ausgestellten Gemälde buchstäblich hineinbeamen könnt. Die Graffitikünstler unter euch dürfen sich an eigens dafür bestimmten Häuserwänden verwirklichen. Im Theater verabreden sich Spieler, und ein echtes Bühnenstück aufführen. Auf dem See dürfen sich mehrere Spieler bei einer Ruderbootregatta messen. Ihr könnt in einem Ballon über die Stadt fahren oder an einer Staffelei ein Bild malen, das eure Mitbewohner später in der Galerie bewundern werden. Und das ist noch lange keine vollständige Liste aller gebotenen Aktivitäten.

Hypatia Screenshot
Im Museum könnt ihr euch in die Bilder hineinbeamen. Zum Beispiel in dieses VR-Gemälde eines japanischen Gartens.

Wo sind die Spieler?

Aller Vielfalt zum Trotz: So richtig zündet Hypatia erst, wenn man mit Mitspielern gemeinsam loszieht, um die Stadt zu erkunden. Dann kommt man mit Zufallsbekanntschaften ins Gespräch, holt sich von Profis Tipps, gibt Einsteigern Hilfe. Das sind die starken Momente des Titels. Ist man alleine unterwegs, was angesichts der noch geringen Spielerpopulation leider öfter vorkommt, verliert die virtuelle Stadt enorm an Reiz.

Die Grafik ist nicht spektakulär, geht für ein MMO aber in Ordnung. Die Steuerung eurer Spielfigur funktioniert grundsätzlich prima, nur beim Rudern haben wir mehrfach laut geflucht, das klappt noch nicht ganz reibungslos. Die dankenswerterweise inkludierte „Unstuck“-Funktion haben wir in mehreren Stunden Spielen aber nur einmal gebraucht.

Hypatia ist erst seit Kurzem aus der Early-Access-Phase raus und trotzdem wird immer noch regelmäßig gepatcht. Das kennt man von vergleichbaren Spielen. Ein MMO ist eigentlich nie „fertig“, weswegen wir auch von einer Wertung absehen. Man darf gespannt sein, wohin sich das Game entwickelt. Einen Blick ist Hypatia auf jeden Fall wert. Das Game ist als Free-to-Play-Titel kostenlos. Das optionale Starter-Pack auf Steam kostet knapp über 8 Euro und enthält Ingame-Währung und exklusive Skins.

Hypatia Screenshot Boote
Ruderbootfahrer brauchen nicht nur starke Arme, auch starke Nerven. Die Steuerung funktioniert nicht optimal.

Das Fazit

Ich sag’s geradeaus: Die wenigsten Aktivitäten in Hypatia sind abendfüllend. Den Reiz zieht das MMO alleine aus der Tatsache, dass man mit anderen interagiert, die Welt gemeinsam erkundet. Die Idee mit dem Theater, in dem die Spieler bzw. ihre Avatare auftreten, finde ich zum Beispiel großartig – in der Theorie. In der Praxis habe ich noch keine Aufführung gesehen. Ich weiß nicht, ob die Spielerpopulation dafür überhaupt groß genug ist und ob eine virtuelle Schauspieltruppe am Ende nicht vor leeren Reihen spielen würde. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Interessant genug, einen Blick hineinzuwerfen, ist Hypatia allemal.

Hier geht’s zu Hypatia auf Steam