Flugsimulatoren, die man auch in VR spielen kann, gibt es eine ganze Menge. Der neue FlyInside Flight Simulator ist exklusiv für Virtual-Reality-Headsets design. Wir haben den Early-Access-Titel auf Oculus Rift getestet.

Ob DCS World, X-Plane, Microsoft Flight Simulator X oder Lockheeds Profi-Simulator Prepar3D: So ziemlich alle namhaften Flugsimulatoren kann man auch in Virtual Reality spielen. Bei den letzteren dreien klappt das allerdings nicht mit Bordmitteln, sondern mit Hilfe eines externen Add-ons von FlyInside. Die Macher haben mit diesem Add-on jahrelange Erfahrung mit Flugsimulatoren und VR gesammelt – und jetzt kurzerhand ihren eigenen VR-Flugsimulator veröffentlicht. Den FlyInside Flight Simulator gibt es seit Oktober 2018 im Early Access direkt beim Hersteller oder auf Steam.

FlyInside Flight Simulator: Der Flugsimulator für VR

Der FlyInside Flight Simulator läuft auf Rift, Vive und Windows Mixed Reality. Es handelt sich um eine komplette Neuentwicklung – nur um die eventuell auftauchende Vermutung auszuräumen, hier würden das Add-on und der Flight Simulator X im Bundle verkauft.

Wie konsequent das Game auf VR ausgelegt ist, zeigt sich gleich beim ersten Start. Einen „flatten“ Menübildschirm gibt es erst gart nicht. Zu Spielbeginn landet ihr sofort auf dem linken Sitz eines der zehn mitgelieferten Luftfahrzeuge (dazu gleich mehr).

Alle Menüoptionen wie die Szenario- oder Flugzeugauswahl, die Wahl von Tages- oder Jahreszeit oder die diversen Einstellungen (Grafik, Tastenbelegung etc.) laufen via im Cockpit „schwebenden“ Fenstern, die sich mit der Maus auch verschieben oder komplett ausblenden lassen.

FlyInside Flight Simulator Boeing 717
Die Boeing 717 ist eines von zehn Luftfahrzeugen im Spiel.

Heli bis Jet: Zehn Luftfahrzeuge an Bord

Als Szenerie sind die kompletten kontinentalen Vereinigten Staaten an Bord. Außerdem kommt der Flugsimulator mit zehn verschiedenen Luftfahrzeugen: Vier Motorflugzeuge (Beechcraft B-55, Cessna 310R, Cessna T-50, de Havilland Canada DHC-3), zwei Verkehrsjets (Boeing 737, Boeing 717), ein Militärjet (Northrop T-38A) und drei Hubschrauber (Bell B-407, MD-530, Boeing CH-47D). Die Modelle stammen übrigens vom renommierten Add-on-Produzenten MilViz (mit Ausnahme der Boeing 717, für TFDi Design besteuert).

Alle Cockpits sind extrem detailliert ausgearbeitet, inklusive voll funktionsfähiger Schalter und Hebel. Die lassen sich in VR sogar „per Hand“ bedienen.

Alle Schalter im Cockpit lassen sich per Touch umlegen

Wie gut die Touchsteuerung klappt, haben wir auf Oculus Rift mit Oculus Touch getestet. Das Fazit fällt nicht ganz eindeutig aus. Grundsätzlich funktioniert die Touch-Bedienung. Hebel oder Steuerknüppel lassen sich greifen und bewegen, Schalter kann man mit ausgestrecktem (virtuellen) Zeigefinger umlegen. Das klappt im Grunde gut und verstärkt definitiv das Mittendrin-Gefühl.

Was wir gleichzeitig aber auch feststellen mussten: Dass sich der Simulator mit einem herkömmlichen Flightstick dann doch deutlich einfacher fliegt. Das mitgelieferte Szenario, bei dem man einen Passagierjetzt in der Abenddämmerung landet, haben wir mit Touchsteuerung erst nach unzähligen Anläufen gemeistert. Mit Flightstick war dieselbe Aufgabe überhaupt kein Thema.

Das Grundthema ist aus unserer Sicht, dass sich ein physischer Stick blind bedienen lässt, während das Greifen von virtuellen Kontrollelementen im Cockpit am Ende doch sehr vom eigentlichen Geschehen ablenkt. Aber nachdem das Spiel ja beide Steuerungsmethoden anbietet, habt ihr die freie Wahl. Entscheidet euch einfach für die Lösung, die euch mehr liegt!

FlyInside Flight Simulator Cockpit
Alle Schalter im Cockpit lassen sich per Touch-Steuerung bedienen.

Positiver Eindruck, aber noch viel zu tun

Technisch gibt’s wenig zu meckern. Die Grafikengine performt im direkten Vergleich zum betagten Microsoft Flight Simulator X sehr gut und lief bei unserem Test auch in Situationen mit vielen Bodenobjekten stets flüssig. Wenn man zum Beispiel beim Start von LAX auf Einfamilienhäuser bis zum Horizont blickt, dann ist das schon fein, wie das die Engine nicht in die Knie zwingt. Die Cockpits sind extrem detailliert dargestellt. Das Gefühl, dank VR wirklich in einem Flugzeugcockpit zu sitzen, ist sowieso unbezahlbar. Die Touch-Bedienung der Cockpit-Elemente klappt wie erwähnt gut. Das Flight-Model fühlt sich für uns realistisch an.

Wie eingangs schon erwähnt, befindet sich der Simulator noch im Early-Access-Stadium. Was üblicherweise heißt: Da fehlt noch was. Hier fehlt trotz insgesamt positiven Ersteindrucks noch eine ganze Menge.

Wie sehr „Early Access“ ist der FlyInside Flight Simulator?

Erst mal wären da die grafischen Bugs in der Landschaft. Manche Straßen und Häuser befinden sich nicht auf Bodenniveau, sondern schweben in einigen Metern Höhe. Bei einigen Objekten passt auch das Scaling nicht – sie sind im Vergleich zum Flugzeug viel zu groß.

Auf Feature-Ebene schmerzen die fehlenden Aufgaben am meisten. Abgesehen von drei mitgelieferten Szenarios – de facto sind es Ingame-Tutorials – gibt es keine Vorgaben. Im Wesentlichen fliegt ihr auf eigene Faust herum und erkundet die Gegend. Dabei seid ihr immer die einzige Maschine in der Luft. Simulierten Verkehr gibt es keinen, eine Air Traffic Control sowieso nicht. Einen funktionierenden Autopiloten haben nur zwei der mitgelieferten zehn Luftfahrzeuge, und dort gibt es Einschränkungen.

Die ganze Experience ist also noch ziemlich rudimentär und es gibt für die Entwickler noch eine Menge zu tun. Aber genau deshalb ist das Projekt ja Early Access.

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Das Fazit

Kann der FlyInside Flight Simulator im aktuellen Zustand mit X-Plane oder Flight Simulator X konkurrieren? Die Antwort ist ein ganz klares Nein. Dazu fehlen einfach noch zu viele Features. Unterm Strich hat das Projekt aber Potenzial und um den Preis von rund 30 Euro erhält man schon eine ganze Menge – insbesondere zehn detailliert simulierte Luftfahrzeuge, die man in vergleichbaren Games erst als Add-ons separat kaufen müsste. Solange die Updates kommen, und das tun sie bislang, kann da noch Großes draus werden. Aktuell arbeitet FlyInside nach eigenen Angaben an der Implementierung von zusätzlichem Flugverkehr und einem Europa-Szenario.

Am Ende wird freilich auch viel davon abhängen, ob Add-on-Entwickler ihre Flugzeuge kompatibel zu FlyInside machen. Das dafür notwendige SDK bietet FlyInside bereits an.

FlyInside Flight Simulator gibt’s um ca. 30 Euro direkt beim Hersteller oder auf Steam.