Endlich Schluss mit PSVR-Exklusivität! Gearbox hat Borderlands 2 VR auf Vive und Rift gebracht. Wie spielt sich die PC-Fassung? Finden wir’s raus! Headset auf – in unserem Fall Oculus Rift und ab nach Pandora…

Nach über sechs Monaten PSVR-Exklusivität gibt es Borderlands 2 VR nun auch auf dem PC. Schon auf Konsole habe ich mich begeistert noch einmal mit dem Aim-Controller durch die ganze Kampagne geschossen, davor hatte ich die Flat-Version mindestens viermal durchgespielt. Auch – oder erst recht – auf der Oculus Rift hat es mich sofort wieder gepackt, allerdings müssen wir erst einmal eine kleine Kontroverse ansprechen: Viele PC-Spieler klagen darüber, dass das Spiel bei ihnen überhaupt nicht funktioniert – und auch bei uns kam nach dem langatmigen Intro erst einmal nur ein Schwarzbild mit gedämpfter Musik. Aus der Oculus-Umgebung heraus startete das Spiel jedoch problemlos, so dass scheinbar genau wie bei Dirt Rally 2.0 das Motto gilt: Man muss Rift-User sein, oder hat Pech gehabt. Wirklich eine ärgerliche Angelegenheit für die Nutzer der anderen HMDs, die bei Steam auch als kompatibel angegeben werden, was auch die anfangs zahlreichen negativen Bewertungen auf Steam erklärt. Hoffentlich bessert Gearbox Software da bald nach, doch wir sind erst einmal ganz eigennützig und zocken los.

Kult-Game endlich in VR

Sollte es wirklich Menschen geben, die Borderlands 2 nicht kennen, hier eine kleine Geschichtsstunde: Borderlands 2 ist der Nachfolger des ersten Games, das im großen Stil First-Person-Shooting mit Rollenspiel-Elementen verbunden hat. Diese Mixtur war ein Riesenspaß, vor allem im Co-Op mit bis zu vier Spielern online oder im Splitscreen. Dementsprechend gab und gibt es auch vier verschiedene Klassen für die Hauptfiguren – alles gestandene „Vault Hunter“, die auf dem Planeten Pandora nach dem ultimativen Schatz suchen und sich deswegen mit den Schergen von Handsome Jack anlegen, einem smarten Bösewicht, der natürlich den sogenannten Vault als erster finden will.

Egal ob man als militärischer Commando mit portablem Geschützturm, waffenstarrender Gunzerker, schleichender Ninja oder magische Sirene spielt, es gibt jede Menge Loot in Form der Millionen von zufallsgenerierten Waffen und anderer Ausrüstungsteile zu entdecken. Die Story führt uns durch Eiswüsten, richtige Wüsten, verfallene Fabriken und tief unter die Erde. Das ganze wird mit einer schrägen Western-Atmosphäre, vielen ausgeflippten Charakteren, Dutzenden von verschiedenen Monstern und Feinden sowie schrägen Sprüchen abgerundet. Dazu gibt es vier dicke DLC-Pakete und einige kleinere Bonusepisoden, die in der PC-Version direkt vom Start weg mit an Bord sind.

Borderlands 2 VR PC Screenshot
Borderlands 2 VR sieht am PC einfach fett aus!

Borderlands 2 VR spielt ihr nur solo

Es erwartet uns also hier wirklich viel Spiel fürs Geld, wobei es jedoch eine Kröte zu schlucken gilt: Die Mehrspieler-Option wurde gestrichen – wenn auch in gewissem Sinne nicht „ersatzlos“, denn dafür gibt es jetzt einen Zeitlupenmodus, die „Bad-Ass-Fun-Time“, kurz BAMF. Denn individuelle Zeitlupen-Effekte vertragen sich nun einmal nicht mit Multiplayer. Nun können wir uns also auf dem Planeten Pandora auch mal wie Neo aus Matrix fühlen, doch natürlich ist das nur ein schwacher Trost dafür, nicht im Team losziehen zu können.

Auf eine Art passt der Solo-Modus aber auch zur VR-Variante, denn die Welt wirkt nun um ein vielfaches immersiver als in der Flat-Version – natürlich nicht zuletzt dank der tollen grafischen Möglichkeiten eines dicken Gaming-Rechners. Unzählige Details springen uns nun buchstäblich ins Auge, und die witzigen Story-Wirrungen rund um die kauzigen Charaktere kommen so viel besser zur Geltung. Denn seien wir mal ehrlich: In einer geselligen Co-Op-Runde wird sowieso die ganze Zeit geschwätzt und die Missionsaufgaben verkommen zum nebensächlichen Rennen zum nächsten Positionsmarker.

VR zum Vollpreis

Ein anderes unschönes Detail ist allerdings, dass Besitzer der Flat-Version noch einmal komplett zur Kasse gebeten werden, während so einige andere Titel den VR-Modus kostenlos nachgereicht haben. Trotzdem ist es besser, eine Vollpreis-VR-Version zu bekommen, als gar keine. Und wer das Spiel noch nicht hat, bekommt zum fairen Preis wirklich ein riesiges Füllhorn an Content, der im VR-Bereich seinesgleichen sucht. Dazu kommt eine wirklich gelungene VR-Einbindung mit vielen Optionen, die im Vergleich zur PSVR-Version noch einmal kräftig zugelegt hat. Denn auf der Konsole war das Spiel ohne den Aim-Controller reichlich unspaßig, da vor allem die Move-Griffel denkbar ungeeignet für so eine komplexe Steuerung sind.

Mit Rift Touch steuert es sich hingegen fantastisch. Ich als jemand, der eine mittelgute Toleranz für Motion Sickness hat, kann jedenfalls relativ problemlos über eine Stunde am Stück spielen und dabei in der höchsten Laufgeschwindigkeit durch die Szenerien rennen und hüpfen, wogegen etwas empfindlichere Naturen auch auf Teleportation zurückgreifen können. Schade ist allerdings, dass immer noch versäumt wurde, die Laufgeschwindigkeit analog zu gestalten, was ja durch die Thumbsticks ganz komfortabel möglich wäre.

Auch das „Anlegen“ der Waffen wird immer noch sehr realitätsfern durch das Ziehen des linken Triggers betätigt. Immerhin ist ein Umschalten für Linkshänder an Bord, doch viel schöner wäre es, man könnte einfach „wie in echt“ zielen. Das geht natürlich in gewissem Sinne auch, aber ohne die Steigerung in der Schussgenauigkeit, die mit dem „knopfgesteuerten“ Anlegen der Waffe einher geht. Zudem wird bei Waffen mit Zielfernrohr ein völlig merkwürdiges 2D-Bild mit dem gezoomten Bereich eingeblendet – das ist einfach nur schlecht. Also an diesen beiden Punkten (sowie einigen Darstellungsproblemchen) kann das Gearbox-Team gerne noch nachbessern, aber damit hätten sie dann für meinen Geschmack auch das absolute Optimum aus der VR-Umsetzung herausgeholt.

Pandora war nie schöner

Das normale Zielen und Schießen geht nämlich herrlich gut von der Hand – auch schnell bewegliche Feinde, wie die flugsaurierartigen Rakk, erwischt man traumwandlerisch im Vorbeilaufen. Sehr gut umgesetzt ist auch, dass man Nahkampfangriffe einfach durch ein schnelles Schwingen der Waffenhand ausführt – ein Riesenspaß. Die Grafik wirkt wie gesagt systeminherent am PC um ein Vielfaches imposanter als auf PSVR, was sich auch gerade in der Lesbarkeit und Bedienung der nun „Drag-and-Drop“-artigen Menüs positiv bemerkbar macht. Und sogar die in der Konsolenversion merkwürdigen Größenverhältnisse sind korrigiert – NPCs haben nun normale Körpergrößen und sind keine skurrilen Miniaturen mehr. Etwas auffällig sind wie immer die teilweise etwas spät nachladenden Hi-Res-Texturen, eine Installation des Spiels auf SSD dürfte deswegen empfehlenswert sein.

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Insgesamt haben wir es bei Borderlands 2 VR ohne Frage mit einem der „größten“ VR-Spielen zu tun, vom Umfang her ist es vergleichbar mit Skyrim, Fallout und No Man’s Sky. Menschen mit Hang zum etwas selbstironischen Story-Shooter, die mit einer Rift sowie einem einigermaßen leistungsstarken PC ausgestattet sind, möchten wir deswegen hiermit unsere uneingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen!

Hier geht’s zu Borderlands 2 VR auf Steam

ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Das Fazit
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Kalle
Schon als Kind liebte Filmemacher und Autor Kalle Max Hofmann Spielezeitschriften, später wirkte er dann selbst an Publikationen wie [ple:] und GameReactor mit. Heute schreibt er immer noch gerne über Games – vor allem, wenn es um Virtual Reality geht.