The Great C entführt Zuseher auf Rift, Vive und PSVR in eine postapokalyptische Welt und erzählt vom Weg einer mutigen jungen Frau, die die Zukunft ihres Dorfes für immer verändern wird. Wir haben den rund 35minütigen VR-Kurzfilm auf Oculus Rift angesehen.

Eine journalistische Binsenweisheit besagt: Stellt eine Headline eine Frage, lautet die Antwort meistens „nein“ (beobachtet das mal…). Aber wir wollen unserem Fazit nicht vorgreifen, das so eindeutig auch wieder nicht ausfällt. Also mal der Reihe nach.

Ein finsteres Bild der Zukunft

The Great C basiert auf einer Kurzgeschichte von Philip K. Dick (The Man in the High Castle) und ist in einer Welt nach der Postapokalypse angesiedelt. Die Annehmlichkeiten der modernen Zivilisation sind Geschichte, die Menschen leben wieder unter einfachsten Verhältnissen – nicht ganz freiwillig. Eine Institution namens The Great C hat die Herrschaft übernommen und verbietet jegliche moderne zivilisatorische Errungenschaften. Selbst Musik ist verboten. Das alles natürlich nur zu unserem Besten. Nie wieder soll die Menschheit sich selbst an den Rand der Auslöschung bringen.

Zwecks Kontrolle, ob sich die Gesellschaft wunschgemäß verhält und entwickelt, muss aus jedem Dorf einmal im Jahr ein Bewohner vor The Great C antreten und Rede und Antwort stehen. Diese Berichterstatter werden dann nie wieder gesehen. Aber Widerstand ist auch keine Lösung, wie das Dorf in der Vergangenheit schon schmerzhaft erfahren musste.

Womit wir beim Kern der Story werden, die bei der Hochzeit zwischen der Protagonistin Clare und ihrer Jugendliebe beginnt. Die Zeremonie wird jäh unterbrochen, als der Bräutigam als Berichterstatter auserkoren wird. Weil die mutige junge Frau ihren Frischangetrauten nicht so einfach gehen lassen will, machen sie sich gemeinsam auf die Reise…

Clare aus The Great C
Hauptdarstellerin in The Great C ist die junge Clare.

The Great C ist wie eine 35minütige „Zwischensequenz“

Wenn wir The Great C eingangs als VR-Kurzfilm bezeichnet haben, dann ist das so falsch nicht, vermittelt aber eventuell nicht den richtigen Eindruck. The Great C ist kein „Film“ im klassischen Sinn. Die Szenen werden alle am Computer berechnet, lokal in Echtzeit. Wenn man so mag, ist der Streifen wie eine zusammenhängende, 35minütige „Zwischensequenz“, wie man sie von storylastigen Videospielen her kennt. Interaktionsmöglichkeiten wie beim VR-Film Speak of the Devil gibt es keine, die Experience ist rein passiv.

Vor Filmstart darf man zwischen Cinematic- und Komfortmodus wählen. Bei ersterem gibt es Kamerafahrten, die VR-Neulingen unangenehm aufstoßen könnten. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, wählt den Komfortmodus, der rein auf statische Kameraperspektiven setzt und am Ende des Tages genauso gut funktioniert.

Technisch ist The Great C erste Sahne

Umgebung, Charaktere, Animationen, das alles sieht sehr gut aus. Der Soundtrack aus der Feder von Tom „Junkie XL” Holkenborg (Mad Max: Fury Road, Deadpool) sorgt für die passende erstklassige Musikkulisse. Die Story ist schön emotional – nur die Pointe ist etwas vorhersehbar.

Wenn es etwas zu kritisieren gibt, dann sind das die gefühlten Größenverhältnisse beim Betrachten des Streifens in VR. In vielen Einstellungen wirken die Protagonisten wie Liliputaner, als würden maximal zehn Zentimeter kleine Figürchen ein Schauspiel aufführen. Ob das vom Entwickler beabsichtigt ist? Dagegen spricht, dass es auch Einstellungen gibt, wo dieser Liliput-Eindruck nicht entsteht und die Protagonisten fast lebensgroß erscheinen.

The Great C Screenshot
Clares Ehemann soll „The Great C“ berichterstatten.

Ist The Great C nun die Zukunft des Kinos?

Nachdem wir noch die Antwort auf die eingangs gestellte Frage schuldig sind, ob The Great C die Zukunft des (Heim)kinos ist – sagen wir mal so: Das Experiment ist spannend und hat sicher seine Berechtigung, zumal die Geschichte schön erzählt und technisch erstklassig in Szene gesetzt ist. Freut euch auf 35 Minuten emotionale Unterhaltung; einen wunderschönen animierten Kurzfilm, mit nur einem echten Wehrmutstropfen: In Zeiten, wo (nicht nur) Netflix mit interaktiven Formaten für herkömmlichen Realfilm experimentiert, wirkt eine rein passive Experience am Ende wenig revolutionär – selbst, wenn sie in VR stattfindet.

Dass sich die Macher bewusst gegen interaktive Elemente wie verzweigende Storystränge oder Multiple-Choice-Dialoge entschieden haben, ist natürlich zu respektieren. Als Gamer darf man das trotzdem schade finden.

The Great C ist um 5 Euro auf Steam und im Oculus Store erhältlich. Die Version für PlayStation VR folgt.