Eine sogenannte „Home Invasion“ aus der Perspektive eines hilflosen Kindes miterleben – mit dieser originellen Idee hat Intruders: Hide and Seek schon auf PSVR für Furore gesorgt. Jetzt ist die PC-Fassung da und wir haben sie auf Oculus Rift getestet.

Auf Steam ist dieser Tage ein VR-Game erschienen, das erst einmal eine Weile PSVR-exklusiv war. Das lag in diesem Falle an seiner Entstehungsgeschichte, denn in Spanien gibt es ein Programm namens „Playstation Talents“, welches neue Entwickler fördert. Vorgestellte Prototypen werden mit Hilfe von Sony zu kompletten Spielen, und im Falle von Intruders kam das fertige Produkt dann sogar beim Deutschen Hersteller Daedalic Entertainment in den Vertrieb. Etwa sieben Monate später kommt das Game nun auch auf andere Plattformen, denn es kann sowohl in VR als auch in 2D gespielt werden – letzteres natürlich keine Option für uns. Wir haben uns unsere gute, alte Rift CV1 aufgesetzt und sind direkt ins Geschehen eingetaucht.

Intruders: Hide & Seek ist ein Psychothriller in VR

Wie die Unterzeile „Hide and Seek“ schon andeutet, geht es in dem Titel in gewisser Weise um das Versteckspiel von Kindern. Das Tutorial, in dem die Steuerung erklärt wird, schlägt allerdings erst einmal deutlich gruseligere Töne an und erinnert frappierend an die Demo von P.T. für die PlayStation 4, mit der Metal-Gear-Solid-Erfinder Hideo Kojima und Filmemacher Guillermo Del Toro eigentlich die Silent-Hill-Reihe grandios wieder aufleben lassen wollten, bis Rechteinhaber Konami den Stecker zog. Seitdem hat P.T. viele Spielemacher inspiriert, doch Intruders schlägt nach dieser unheimlichen Einführung gleich wieder einen Haken in eine ganz andere Richtung.

Nach dem Tutorial finden wir uns nämlich auf dem Rücksitz eines SUV wieder – wir verkörpern nun den 13jährigen Jungen Ben, der mit seiner Schwester Irene und den beiden Eltern ins neu renovierte Wochenendhaus fährt. Auf der kurzen Fahrt durch eine recht grob und spartanisch gestaltete Landschaft wird die Hintergrundgeschichte angedeutet und wir lernen die simplen Interaktionsmöglichkeiten kennen: Gesteuert wird Intruders mit einem normalen Gamecontroller. Objekte, mit denen wir etwas anstellen können, werden durch eine riesige, klobige Raute gekennzeichnet und auf Knopfdruck manipuliert. So lernen wir erst einmal unser Kinder-Funkgerät kennen und dann, im Haus angekommen, die Taschenlampe.

Auf den ersten Schritten in den dunklen Keller lernen wir den eigentlichen Hauptdarsteller des Spiels kennen, denn das Anwesen der Familie wurde optisch sehr schön und recht detailreich gestaltet. Damit steht es in einem gewissen Kontrast zu den wirklich hässlichen Außenbereichen und den fast schon grotesk aussehenden menschlichen Figuren, die einen starken Uncanny-Valley-Effekt vermitteln.

Die Figuren im Spiel sehen grotesk unnatürlich aus. Absicht?

Spielen aus einer ungewohnten Perspektive

Interessant ist, dass wir ein Kind spielen, und deswegen die Umgebung in ungewohnten Größenverhältnissen wahrnehmen. Ein interessanter Aspekt, der in dieser Form wirklich nur in VR umsetzbar ist – auch wenn sicher nicht alles mathematisch korrekt skaliert wurde, wenn wir beispielsweise eine auf dem Tisch stehende Weinflasche mit dem Kopf unserer Mutter vergleichen. Trotzdem ein interessanter Ansatz.

Bevor wir dann abends ins Bett müssen, schlägt unsere Schwester noch das titelgebende Versteckspiel vor. Nun lernen wir die Stealth-Mechaniken kennen, die schon bald den größten Anteil des Geschehens ausmachen werden. Verstecken wir uns in einem Schrank, müssen wir als kleines Mini-Game im Takt unseres Herzschlags eine Taste drücken, um nicht entdeckt zu werden. Die Schwester zu besiegen stellt uns nicht wirklich vor eine Herausforderung, doch schon bald wird aus dem Spaß tödlicher Ernst – denn ein Trio von Einbrechern unter der Leitung eines maskierten Gewalttäters verschafft sich Zugang zum Haus und sperrt unsere Eltern in den Keller. Nun liegt es ganz alleine an Ben, seine Familie zu retten.

Ben kennt und braucht im Haus jedes Versteck…

Bei Gefahr: laufen und verstecken!

Immerhin bekommen wir dabei Unterstützung von Irene, die uns per Funk anleitet. Doch wir müssen vorsichtig sein und neben den Augen vor allem die Ohren offenhalten, um immer wieder unbemerkt an den Kriminellen vorbeizukommen. Dabei können wir sie mit VR schön austricksen: Wenn wir aufstehen oder uns zur Seite neigen, um an Möbelstücken vorbei zu spähen, können sie uns trotzdem nicht entdecken. Aber natürlich müssen wir dabei auf den Lichtkegel unserer Taschenlampe aufpassen, der den Gangstern sofort unsere Position verrät. Und das ist höchst gefährlich, denn wehren kann sich Ben im Notfall überhaupt nicht – werden wir entdeckt, müssen wir die Beine in die Hand nehmen und den nächsten Schrank ansteuern, in dem wir uns verstecken können, um dann nach dem Überstehen des banalen Mini-Games erst einmal wieder unsere Ruhe zu haben. Auch die rudimentäre Karte ist unser Verbündeter, denn sie hilft uns, den besten Weg zu unserem jeweiligen Zielort im Haus zu finden.

Nebenbei können wir jede Menge Schubladen öffnen, in denen sich manchmal Hinweise finden, was die Verbrecher überhaupt wollen. Auch sonst erfahren wir Details aus dem Leben der Familienmitglieder und ihrer Peiniger. Dadurch erhält das Spiel manchmal Züge eines Walking Simulators, was natürlich nicht zuletzt daran liegt, dass das ausladende Haus an Titel wie Edith Finch oder Gone Home erinnert. Nach und nach wird der Schauplatz sogar noch um weitere Bereiche erweitert und einige wenige Zwischensequenzen lockern das ansonsten etwas gleichförmige Schleich-Geschehen auf. Die eigentliche Story lässt sich in zwei bis drei Stunden abschließen, den Komplettierungs-Junkies bleibt dann natürlich noch die Aufgabe, wirklich alle Hinweise und Sammelgegenstände zu finden.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Insgesamt ist Intruders: Hide and Seek auf jeden Fall ein interessanter Titel, der schon Spaß macht und Spannung erzeugt, jedoch an mangelnder Politur krankt. Vor allem besser gestaltete Gesichter und Details würden für eine höhere Immersion sorgen, ebenso eine Steuerung mit Touch-Controllern und ohne die übertrieben deutlichen Objektmarker. Hier und da treten außerdem Bugs und Irritationen auf, die es schon auf der Playstation gab – wie zum Beispiel, dass wir auch bei ausgeschalteter Lampe einen bläulichen Schein auf nahe Objekte werfen, was ab und zu Schreckmomente herbeiführte, weil wir dachten, die Taschenlampe wäre angeschaltet.

Wieder gut macht das Spiel diese kleinen Wehwechen durch seinen angemessenen Preis – für 19,99 Euro können wir uns in das Schleichduell gegen die übellaunigen Eindringlinge werfen. Das ist für das Gebotene wirklich fair.

Hier geht’s zu Intruders: Hide and Seek auf Steam und hier im PlayStation Store

ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Das Fazit
Vorheriger ArtikelRainbow Reactor im Test: Match 3 in VR
Nächster ArtikelDoors of Silence: The Prologue – Grusel-Action in VR im Test
Kalle
Schon als Kind liebte Filmemacher und Autor Kalle Max Hofmann Spielezeitschriften, später wirkte er dann selbst an Publikationen wie [ple:] und GameReactor mit. Heute schreibt er immer noch gerne über Games – vor allem, wenn es um Virtual Reality geht.