Flat Gaming kann euch gestohlen bleiben, gleichzeitig steht ihr auf Pixel-Optik und Chip-Tunes aus der guten alten Zeit? Dann ist Pixel Ripped 1989 wahrscheinlich genau euer Ding! Das Indie-Game für Rift, Vive und PSVR verbindet Retro-Gaming in geradezu geniale Weise mit VR. – Der Test.

Pixel Ripped 1989 schickt euch in VR auf die Schulbank. Ihr sitzt auf eurem Platz in Klassenzimmer und lauscht gelangweilt einem Vortrag eurer Geschichts-Lehrerin. Boring! Wie gut, dass ihr euren Videospiel-Handheld dabeihabt. Das Teil erinnert entfernt an einen Game Boy und solange ihr den Handheld unter der Schulbank außer Sichtweite von Frau Grießgram bedient, steht einer kurzweiligen Geschichtsstunde nichts im Weg…

Pixel Ripped 1989: Gamen am virtuellen Handheld

Das Spiel auf eurem virtuellen Handheld heißt – wie könnte es anders ein – Pixel Ripped und ist ein Jump and Run, bei dem ihr als Pixel-Heldin Dot eure Videospielwelt vor den Angriffen eines fiesen Oberbösewichts retten müsst.

Pixel Ripped 1989 Screenshot
Bloß nicht von der Lehrerin erwischen lassen, wenn ihr während des Unterrichts Handheld spielt!

Leichter gesagt als getan. Nun ist die Lehrerin nämlich nicht völlig verblödet und kriegt früher oder später spitz, dass ihr nicht ihren Ausführungen zur britischen Geschichte folgt. Ihr müsst also immer zwei Ebenen im Auge behalten: Die Action am virtuellen Handheld und das Drumherum in der „realen“ Welt. Denn während ihr im Spiel unendliche Continues habt, heißt es „Game Over“, wenn euch die Lehrerin zum dritten Mal beim heimlichen Spielen erwischt.

Wir sorgen für Chaos im Klassenzimmer

Damit das nicht passiert, habt ihr im Grunde zwei Möglichkeiten. Entweder, ihr spielt nur, wenn euch die Lehrerin den Rücken zuwendet, weil sie etwas an die Tafel kritzelt. Oder aber, ihr sorgt für Ablenkung. Mittels eines Blasrohrs könnt ihr diverse Gegenstände im Klassenzimmer abschießen und so für Chaos sorgen. Dann nervt das Radio die Lehrerin mit moderner Musik, die Bücher fallen vom Regal oder der Overhead-Projektor läuft Amok…

Die eigentliche Herausforderung dabei ist, nicht zu vergessen, die Lehrerin abzulenken. Mitunter versinkt man so ins Handheld-Spiel, dass man an Frau Spaßverderber einfach nicht mehr denkt, bis sie sich bedrohlich vor einem aufbaut. – Generationen von Schulkindern können davon wahrscheinlich ein Lied singen.

Pixelwelt meets „reale“ Welt

Bei der strikten Trennung zwischen Handheldspiel und „realer“ Welt bleibt es freilich nicht. Denn der Superbösewicht bricht aus seinem Spiel aus und sorgt auch in der realen Welt für Chaos. Diese Abschnitte, in denen sich 3D-Welt und Pixel-Optik mixen, wechseln sich mit den „klassischen“ Handheld-Levels und sind für die ein oder andere originelle Idee gut. Zum Beispiel versuchen in einem Abschnitt die Drachen des Bösewichts Schulkinder vom Pausenhof zu entführen und wir müssen mit dem Handheld die Drachen vom Himmel holen. Das spielt sich dann wie eine AR-Anwendung – in VR. Krasser Scheiß.

Pixel Ripped 1989 Screenshot
Ein einigen Abschnitten verschemlzen Spielwelt und „reale“ Welt.

Ein paar Worte zur Technik

Insgesamt ist Pixel Ripped 1989 sehr stimmig. Besonders der gelungene Chiptune-Soundtrack hat Ohrwurm-Qualitäten. Womit man sich freilich arrangieren muss: dass das Handheldspiel „nur“ mit Grafik auf Game-Boy-Niveau daherkommt (wobei er im späteren Spielverlauf ein Farb-Update erhält) und dass die Grafik der „realen“ Welt nicht AAA-Qualität erreicht. Dafür punktet das Game mit umso mehr originellen Ideen und einer vollen Portion Charme.

Der einzig echte Wermutstropfen ist – wie so oft bei VR-Games – die überschaubare Spieldauer. Es gibt drei Levels plus einen anspruchsvollen, mehrere Abschnitte umfassenden Boss-Fight. Nach maximal vier bis fünf Stunden flimmert der (spielbare) Abspann über den Handheldscreen. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir definitiv noch Lust auf mehr. Aber das spricht andererseits ja auch für das Spiel…

Ihr findet Pixel Ripped 1989 im Oculus Store, hier auf Steam und im PlayStation Store.