Plötzlich blind und gefangen im Haus eines Fremden! „Blind“ ist ein in jeder Hinsicht ungewöhnliches Game, vom monochromen Grafikstil bis zur Gamemechanik. Wir haben den VR-Thriller für PSVR, Rift und Vive in der Rift-Fassung getestet.

Beim VR-Abenteuer „Blind“ ist der Name Programm. Die junge Protagonistin erwacht in einem fremden Haus – und kann nichts mehr sehen. Ihre letzte Erinnerung ist die an einen Autounfall. Wie sie hierhergekommen ist, wo „hier“ überhaupt ist, und vor allem, was aus ihrem kleinen Bruder wurde, der mit ihr im Wagen gesessen hat, darüber tappt sie buchstäblich im Dunkeln.

Ein außergewöhnliches VR-Adventure – „Blind“ im Test

Nun wäre ein Game, bei dem ihr buchstäblich nichts seht, ziemlich unspielbar. Deshalb haben die Entwickler der australischen Tiny Bull Studios sich einen besonderen Twist einfallen lassen. Ihr seht über euer Gehör. Jedes Geräusch im Spiel erhellt die unmittelbare Umgebung. Je lauter das Geräusch, umso stärker das Licht.

Eine tickende Wanduhr, ein brummender Kühlschrank oder ein kaputtes Fenster, durch das der Wind pfeift: Alles, was Geräusche macht, ist in ein sanftes Licht getaucht. Ansonsten ist es um euch herum zappenduster. Aber natürlich könnt ihr selbst Lärm machen und so eure Umgebung erhellen. Zum Beispiel, indem ihr beliebige Gegenstände greift und auf den Boden werft. Über weite Strecken im Spiel läuft die Schallerzeugung aber komfortabler, über einen Blindenstock.

Blind Screenshot
Blind fasziniert mit seinem ganz eigenen monochromen Grafikstil

Gefangen im Haus eines Fremden

Als wäre es nicht schon erschreckend genug, plötzlich blind zu sein, seid ihr im Haus nicht allein. Ein mysteriöser Mann redet beruhigend auf euch ein und gibt euch Ratschläge – aber könnt ihr im trauen? Euer Ziel ist klar: Aus dem Haus entkommen – und zuvor euren kleinen Bruder suchen, den ihr ebenfalls im Haus vermutet. Dazu löst ihr diverse Rätsel, in guter Tradition klassischer Adventures. Nur, dass die (meisten) Rätsel hier eben um die Schall-Licht-Mechanik herum gestrickt sind.

Vom Schwierigkeitsgrad her sind die Rätsel eher casual. Alte Adventure-Hasen könnten sich unterfordert fühlen, aber für unseren Geschmack trifft „Blind“ den Sweetspot ziemlich genau. Das Spiel sorgt mit Hinweisen dafür, dass man weiß, was zu tun ist. Die Rätsel sind logisch – mit Ausnahme des Rätsels im Musikzimmer vielleicht. Mit Nachdenken kann man aber eigentlich immer auf die Lösung kommen.

Nur einmal sind wir ernsthaft festgehangen. Da war das Problem aber, dass ein benötigtes Item einfach nicht vorhanden war. Für diesen Fall haben die Programmierer eine eigene Funktion im Menü vorgesehen. Wenn ihr also mal festhängt und glaubt, es liegt nicht an euch: Probiert es einfach mit der Funktion „Respawn key object“.

Blind Screenshot
Das Rätsel im Musikzimmer gehört wahrscheinlich zu den schwierigeren im Spiel

Die Monochrome Grafik kommt gut in VR

„Blind“ setzt nicht nur auf ein ungewöhnliches Gameplay. Wie ihr auf den Screenshots seht, auch auf einen sehr eigenen monochromen Grafikstil. Die Kanten von Gegenständen zeichnen sich deutlich als weiße Linien ab. Texturen gibt es grundsätzlich schon, allerdings zeigen die sich nur aus der Nähe und wenn ihr ordentlich Lärm/Licht macht. Auf den Screenshots mag die Grafik nicht viel hermachen, in VR kommt sie aber echt gut und trägt entscheidend zur Atmosphäre bei.

Apropos Atmosphäre: Die Stimmung in „Blind“ ist grundsätzlich ernst und düster. Wirklich gruselig wird es aber nie. Wer um VR-Horrorspiele im Interesse seiner Nerven einen Bogen macht, sollte hier safe sein.

Noch zwei Worte zur Steuerung: klappt prima! Ihr steuert die Protagonistin direkt über den linken Stick, was nicht gänzlich unproblematisch ist, falls ihr zu den Leuten zählt, denen sehr leicht übel wird. Durch die gemächliche Gehgeschwindigkeit sollte das Risiko aber minimiert sein. Am rechten Stick liegt Snap-Turning, was alle Rift-Gamer ohne 360-Grad-Setup freut.

Im letzten Drittel zieht das Tempo an

Eine genaue Spieldauer anzugeben, ist schwierig. Wir haben bis zum Abspann fünf Stunden gebraucht, wobei Adventure-Profis wahrscheinlich deutlich schneller durch sind. Angesichts des Preises von unter 25 Euro geht die Spieldauer in Ordnung. Während der ersten zwei Spieldrittel dominieren die Puzzles. Im letzten Drittel zieht das Tempo dann – ohne spoilern zu wollen – etwas an. Das tut der Abwechslung gut und rundet unseren positiven Eindruck von „Blind“ als gelungenes VR-Abenteuer ab.

Hier geht’s zu Blind auf Steam, im Oculus Store und im PlayStation Store

ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Das Fazit
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Manfred
Nach 16 Jahren E-MEDIA bloggt Manfred Huber jetzt über die Technik-Themen, die ihm am meisten Spaß machen - und das ist momentan alles rund um Virtual Reality.