Der Commodore Amiga ist zurück – als „Armiga“. Das Projekt eines spanischen Start-ups bringt Spiele-Hits von einst auf moderne TV-Geräte mit HDMI-Anschluss. Wenn man so mag, ist der Armiga das Pendant zum NES Classic Mini für die Generation Amiga. Wir haben die Variante mit Diskettenlaufwerk im Test.

Nachdem ich mit dem Amiga aufgewachsen bin, war der Impulskauf eines Armiga wahrscheinlich unvermeidlich. Die dominanten Lüftungsschlitze an der Oberseite, der markante Schriftzug – das erinnert schon sehr an den Amiga 500. Das Design haben die Spanier so authentisch hingekommen, dass der bloße Anblick des Armiga bei mir ein Kindheitsflashback triggert. Dass sich im Schriftzug ein „R“ eingeschlichen hat, ist ein aufgelegtes Wortspiel. Der Hardware basiert auf einem ARM-Chip. Für Kompatibilität zu Amiga 500 & 1200 sorgt ein Software-Emulator.

Nach der Bestellung des Armiga im herstellereigenen Webshop hieß es acht Wochen warten, so lange beträgt die aktuelle Lieferzeit. Anfang August war er dann endlich da, mein Armiga Full Edition in Schwarz, und es konnte losgehen.

Der Armiga Full Edition im Test

Erste Erkenntnis: Gedruckte Anleitung liegt keine bei. Macht aber nichts. Armiga mit der Stromsteckdose und per HDMI mit dem Monitor verbinden – das ist alles, was es zur Inbetriebnahme braucht. Sekunden später lacht mich auch schon die aufgeräumte Menüoberfläche an, durch die man sich mit dem mitgelieferten Gamepad navigiert.

Zweite Erkenntnis: Das Gerät verfügt nur über zwei USB-Ports. Das ist einer zu wenig um Maus, Tastatur und Gamepad gleichzeitig anzuschließen. Von einem USB-Stick mit Spielen ganz zu schweigen. Laut Hersteller löst ein USB-Hub dieses Problem. Aber ehrlich gesagt ist die Vorstellung, mit externem Zubehör für zusätzliche Unordnung am Schreibtisch zu sorgen, nicht so verlockend. Aktuell setze ich auf die virtuelle Tastatur des Emulators, die beiden Ports belegen Maus und Joystick.

Apropos Joystick. Für den Einsatz am Armiga geradezu prädestiniert ist der Competition Pro USB von Speedlink. Der funktionierte im Test auch einwandfrei, obwohl er auf der Armiga-Homepage nicht explizit als kompatibel gelistet ist. Zu schade, dass der Nachbau des beliebtesten Joysticks der Amiga-Ära schon seit längerer Zeit vergriffen ist. Hey, Speedlink! Wie wäre es mit einer Neuauflage?

So kommen Games in den Armiga

Der Armiga kommt mit einer Handvoll unbekannter, nicht kommerzieller Spiele, die auf der ab Werk eingelegten Speicherkarte vorinstalliert sind. Der Emulator unterstützt das ADF-Format, womit sich zusätzliche Games problemlos hinzufügen lassen. Das komplette Amiga-Spieleportfolio von anno dazumal findet man heute an diversen Stellen im Netz zum Download – einfach googeln.

Screenshot aus It Came From The Desert
Ziemlich alle Amiga-Klassiker (hier: It Came From the Desert) sind als ADF-Files im Netz zu finden.

Alternativ kann man auch seine eigene Disc-Sammlung importieren. Beim Einlegen einer Diskette beginnt der Armiga automatisch, sie einzulesen, konvertiert sie in ein ADF-Image und legt selbiges auf der Speicherkarte ab. Beginn und Abschluss des Vorgangs werden von der Benutzeroberfläche übrigens nicht kommentiert. Dass eine Disc fertig eingelesen ist, merkt man am markanten Geräusch, wenn der Schreib-/Lesekopf in die Ausgangssituation zurückfährt – und am Auftauchen der ADF-Datei im entsprechenden Menüpunkt.

Spiele direkt von Diskette starten kann der Armiga übrigens nicht. Das ist schade, das wär’s für die volle Ladung Retro-Feeling eigentlich gewesen. Original-Hardware (Joysticks, Mäuse…) von damals finden auch keinen Anschluss, nur moderne Pendants via USB.

Für wen eignet sich der Armiga?

Wer mit Amiga-Klassikern alte Erinnerungen auffrischen möchte, kann das am PC gratis tun, etwa mit dem beliebten kostenlosen Emulator WinUAE. Für zwei Use-Cases bietet sich der Hardware-Emulator dann aber doch an. Mit ihm lassen sich Disketten-Sammlungen bequem ins ADF-Format konvertieren, was sich mit Original-Amigas und modernen PCs ohne Diskettenlaufwerk eher schwierig gestaltet. Auch, wer Spiele-Klassiker am TV spielen möchte, findet im Armiga das ideale Werkzeug. Abseits dieser Szenarios macht die kleine Box wahrscheinlich wenig Sinn. Schließlich tut sie auch nicht mehr, als ein reiner Software-Emulator am PC.

Den Armiga gibt es in den Farben Weiß und Schwarz, als Small Sized Edition ohne und als Full Edition mit Diskettenlaufwerk. Achtung! Der Hersteller bezeichnet das Gerät als Prototyp und gibt keine Hersteller-Garantie. Erhältlich ist er ausschließlich über die Hersteller-Homepage. Die Lieferzeit beträgt aktuell acht Wochen.

Hier geht’s zur Hersteller-Homepage.

ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Fazit
Vorheriger ArtikelStar Trek: Bridge Crew – das ultimative VR-Game im Langzeit-Test
Nächster ArtikelKryptowährungen – die digitalen Tulpenzwiebeln?
Manfred
Nach 16 Jahren E-MEDIA bloggt Manfred Huber jetzt über die Technik-Themen, die ihm am meisten Spaß machen - und das ist momentan alles rund um Virtual Reality.